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Chronik

Zur Gründung des Feuerwehrvereins in Michelstadt (1869)

(Abschrift aus den Akten des Stadtarchivs XXVII + 2b / 3 / 16)

 

Geschehen, Michelstadt d. 12. Juli 1869

Die Bildung eines Feuerwehrvereins in hiesiger Stadt betr.

Bei der auf heute anberaumten Sitzung des Gemeinderathes, wozu sämtliche Mitglieder eingeladen waren und nachstehend Unterzeichnete erschienen sind, wurde die Eingabe des sich gebildeten Vereins vom 22. v. Monats nebst den vorgelegten‑‑‑ Statuten verlesen und nach stattgehabter Berathung beschloßen:

Da man von der Nothwendigkeit und Nützlichkeit des rub. Vereins vollständig überzeugt in hiesiger Stadt, die vielen Geräte, welche in der Eingabe vom 22. Juni 1. j. aufgeführt sind, nicht für nöthig erachtet, anstatt der angeforderten Summe von 420 Gulden ‑ 250 Gulden zur Verfügung stellen wolle, und sollen solche in den nächsten Voranschlag für 1970 aufgenommen werden, und ersuchen Gr. Kreisamt indem wir die Statuten hiermit einsenden, um Prüfung und Genehmigung derselben und der Aufnahme 250 Gulden in den 1870 Voranschlag.

H o r 1 e b e i n


 

Dazu schrieb das Kreisamt Erbach:

Zu Nr. K. E.                           Erbach, am 21. August 1869

Betreffend: Die Bildung eines Feuerwehr‑Vereins zu Michelstadt

Das Großherzogliche

Kreisamt Erbach

an

Großherzogliche Bürgermeisterei

M i c h e 1 s t a d t

Auf Ihren Bericht vom 19. 1. M. benachrichtigen wir Sie, daß wir bei den rückangeschloßenen Statuten, von welchen noch eine Abschrift zu unseren Akten zu geben ist, Nichts zu erinnern finden und übersenden Ihnen das genehmigte Protokoll vom 12. v. M.

von Schenk.

 


stehend: Jakob Beller und Adam Löb - sitzend: Friedrich Knust, Ernst Rexroth und Georg Brauch

Aufnahme der Veteranen aus dem Jahre 1932

 

Spielmannszug der Feuerwehr Michelstadt im Jahre 1912

 

 

Die Entwicklung der Feuerwehr in Michelstadt bis 1945

von Stadtarchivar Wilhelm Hartmann

In der Menschheitsgeschichte spielt die Beherrschung des Feuers eine große Rolle. Die mittelalterlichen Siedlungen mit den Holzhäusern und Strohdächern waren besonders brandgefährdet. Viele Städte und Dörfer sind durch Brände vollständig zerstört worden. Im Jahr 1810 wurde Beerfelden bis auf wenige Häuser ein Opfer der Flammen. Auch unsere Stadt blieb von Bränden nicht verschont; eine vollständige Zerstörung durch Brand fand 1307 statt, als Pfalzgraf Rudolf von Bayern sich der Schenken von Erbach bemächtigte. 1825 brannte der gesamte Häuserblock zwischen der Unteren Pfarrgasse und dem Rathausgäßchen. Die mehrstöckigen Steinhäuser in der Großen Gasse sind nach diesem Brand gebaut worden. Damals verlor Seckel Löb Wormser, der Balschem von Michelstadt, seine umfangreiche Bibliothek. Ein Brand, der in der Nacht vom 10. auf den 11. Juni 1844 in der Mauerstraße ausbrach, vernichtete nicht nur einige Scheuern an der Stadtmauer, sondern zog auch den »Nobisturm« in Mitleidenschaft. Ein Notdach schützt seitdem diesem Stadtturm vor dem weiteren Zerfall.

Bis in das 19. Jahrhundert wurden diese Brände als eine Strafe Gottes angesehen, wie aus den Einleitungen der verschiedensten Feuerordnungen zu ersehen ist.

Bis zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehren im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts war die Brandbekämpfung eine Aufgabe der gesamten Bevölkerung. In der Bürgerschaftsordnung von Michelstadt aus dem Jahr 1579 wird diese vorbeugende Maßnahme wie folgt beschrieben:

»Es soll auch Schultheiß und Gericht vom Überschuss aus dem gemeinen Einkommen Leitern, Feuerhaken und Eimer fertigen und in Feuers‑Not zu Gebrauch haben und dieselben in guter Beßerung verwahrlich halten«. Gleichzeitig wurden zwei Gerichtsmänner als »Feuer‑Stätten‑Beseher« bestellt, die halbjährlich alle Feuerstätten zu besichtigen hatten, um Mängel abzustellen.

Dank dieser Ordnung hat Michelstadt den Dreißigjährigen Krieg ohne größeren Brand überlebt. Während Mossau, Rehbach und Eulbach wüst und leer wurden, behielten die rund 300 Einwohner in Michelstadt ihre Behausungen.

Als kurz nach 1700 die Feuerspritzen erfunden wurden, kaufte die Stadt 1712 eine hölzerne Wasserspritze. Die Stadtrechnung von 1712 berichtet: »Als gnädigste Herrschaft zu Fürstenau die Wasserkunst besichtiget mit einem Trunk und etwas Confect aufgewartet und den Bürgern so selbige gezogen, sowie dem Spritzenmeister ebenfalls einen Trunk, macht 3 Gulden und 16 Kreuzer«.

Diese hölzerne Feuerspritze mit ihrem dünnen Strahl erfüllte nicht die Erwartungen. Das Holz war bald vertrocknet und der Wasserbehälter, eine Bütte, war undicht. So kam es, daß man eine neue kupferne Wasserspritze anschaffen mußte. Die Urkunde im Stadtarchiv vom 20. November 1717 besagt (auszugsweise):

»Wir Stadt‑Schultheiß, Bürgermeister und Rath zu Michelstadt und Erbach, bekennen, daß wir von dem Herrn (Kupferschmied) Noa Ruhhardt, Bürger und Feuerspritzen‑Macher in der Kaiserlichen freien Reichsstadt Bieberach, haben eine große Feuerspritze abgekauft mit einem doppelten Geschirr, vor und um 300 Gulden, Schreibe dreihundert Gulden, hiesiges gangbares Geld, auf drei Jahre zu bezahlen ... (folgt Zahlungsvereinbarung).

 

Davor versprach Noa Ruhhardt, daß diese abgekaufte Wasserspritze treu und wahrhaft gut sei, ein Leben lang.

Zu mehrer und beßerer Bekräftigung haben wir unser kleines Stadtsiegel hier bei getrucket und eigenhändig unterschrieben.

Geschehen in Michelstadt 20. November 1717.

Als diese von Pferden gezogene Feuerspritze in Michelstadt ihren Standort fand, waren die Erbacher damit nicht einverstanden. Doch konnte man sich einigen, und versprach der Nachbarstadt ihren Anteil zurückzugeben, sollten diese eine eigene Spritze kaufen.

Wie im Rißbuch von 1753 angegeben, befand sich in der Häfnergasse ein »Stall für die Feuerspritze«, der an die Kellerei angebaut war. Als das neue Spritzenhaus in der Unteren Pfarrgasse, heute Schindler‑Werkstatt Trumpfheller, eingerichtet wurde, verschwand das Gebäude in der Häfnergasse.

Der Michelstädter Schlossermeister Georg Philipp Schmucker lieferte 1796 eine Feuerspritze für 900 Gulden. Für diesen Betrag konnte man zu dieser Zeit ein Haus kaufen. Das Geld wurde aus Beiträgen der Bürgerschaft, des Grafenhauses Erbach-Fürstenau und der Kirche aufgebracht.

Die vierte Feuerspritze lieferte 1866 die Firma Karl Metz in Heidelberg. Sie kostete einschließlich Beiwagen und Rettungssack 1490 Gulden und 30 Kreuzer und war in der Zehntscheuer in der Mauerstraße untergebracht.

Auf alten Abbildungen ist an der Südseite zur Braunstraße ein weiterer Turm zu sehen. Dieser 1732 erstellte Turm diente zur Aufbewahrung der Feuerleitern, Feuerhaken und der Löscheimer, er wurde 1846 wieder entfernt. Vorübergehend waren auch verschiedene Feuerspritzen in der Rathaushalle untergestellt.

Im Stadtarchiv Michelstadt befinden sich mehrere Feuerordnungen, denn durch die Stadt und durch die Regierung wurden laufend neue Feuerbekämpfungsmaßnahmen bekannt gegeben. Zweimal im Jahr mußte der Einwohnerschaft diese Feuerordnung vorgelesen werden. Die wesentlichen Bestandteile waren:

Für die Beobachtung auf dem Kirchturm war der »Türmer« verantwortlich. Mit dem Läuten der großen Glocke, mit Trompeten‑Lärm und Feuergeschrei alarmierte er die Bürger bei Ausbruch eines Brandes. Bei großer Gefahr wurde mit allen Glocken geläutet, hierbei zersprangen bei dem Brandalarm 1825 einige Kirchenglocken. Der Stadtknecht mußte die Rathausglocke läuten. Eine brennende Laterne zeigte am Kirchturm die Brandrichtung an. Die gesamte Bürgerschaft, soweit sie nicht zu besonderer Tätigkeit bestellt ist, muß sich mit Feuereimern an der Brandstelle einfinden. Fuhrleute bringen Feuerspritze, Feuerleitern und Feuerhaken. Bei Nacht mußten Pechkränze und Pechpfannen zur Beleuchtung der Stadt an festgelegten Plätzen aufgestellt werden. Für die Bewachung der Stadttore waren bei einem Brand besondere Personen bestimmt. Eingeteilte Läufer unterrichteten die Nachbardörfer und Städte. Die Leitung der Brandbekämpfung war dem Stadtschultheißen und dem Stadtrat übertragen. Sie waren auch für die Feuerstätten‑Visitationen verantwortlich. Es war verboten, Flachs und Hanf bei Nacht oder Licht zu hecheln. Wellholz durfte nicht in den Gassen gelagert werden. Bei der Umstellung von der Weidewirtschaft zur Stallhaltung bereitete das Lagern von Heu in den Scheunen und auf den Ställen wegen der damit verbundenen Brandgefahr große Schwierigkeiten. In der Mitte des 19. Jahrhunderts mußten die Strohdächer verschwinden und durch Ziegeldächer (Hartdächer) ersetzt werden.

1795 beschloß der Stadtrat, daß jeder Bürger einen Feuereimer besitzen mußte. Die aus Leder gefertigten Eimer rosteten nicht, waren dem Mottenfraß nicht ausgesetzt und waren für Haushaltszwecke unbrauchbar. Noch heute sind diese Ledereimer auf manchen Hausböden zu finden.

Da nach jedem Brand den helfenden Bürgern Wein und Brot gegeben wurde, sind alle Brände in Michelstadt und der engeren und weiteren Umgebung aus den Stadtrechnungen ersichtlich. Dieser Brauch hat sich in manchen Dörfern bis auf den heutigen Tag erhalten.

Der Heidelberger Fabrikant Karl Metz, der 1866 eine Feuerspritze an die Stadt Michelstadt lieferte, übernahm auch die Ausbildung der Bedienungsmannschaft. Angeregt durch diese organisierte Brandbekämpfung luden Heinrich Faatz, Jacob Schmucker, Jakob Faatz, Ludwig Fees, Ferdinand Gottwald und August Schmucker 11. am 2. Juni 1869 zu einer Gründungsversammlung eines Vereins der Feuerwehr Michelstadt in den »Grünen Baum« ein. Bereits am Schluß dieser ersten Versammlung hatte die Feuerwehr 42 Mitglieder. Diese Zahl erhöhte sich in den folgenden Monaten auf 125 Feuerwehrleute, die sicherlich nicht alle aktiv waren, aber ihren Beitrag und ihr Eintrittsgeld zahlten.

In der folgenden Sitzung am 8. Juni 1869 konnte ein Entwurf der Statuten vorgelegt werden. Im Punkt 20 heißt es:

»Förderung des Löschwesens, gegenseitiges freundschaftliches und herzliches Entgegenkommen, sowie Verhütung aller Anlässe zum Streit und Uneinigkeit«.

Daneben wurde eine Löschordnung aufgestellt, die mit den Statuten am 21. 8. 1869 vom Großherzoglichen Kreisamt in Erbach genehmigt wurden.

Am 15. Juli 1869 konnte der Vorstand gewählt werden:

Präsident: Ferdinand Scheuermann

Sekretär: Ludwig Fees

Kassierer: Tobias Arzt

Kontrolleur: Friedrich Carl Glenz

Die Berufung der Wehrführer erfolgte am 24. September.

1. Brandmeister Heinrich Faatz

2. Brandmeister Tobias Arzt

Obleute der Spritzen‑, Steig‑ und Wachmannschaft wurden Jakob Schmucker, Ferdinand Gottwald und Friedrich Scheuermann. Eine einheitliche Kleidung wurde in der Sitzung vom 2 1. Dezember beschlossen und ein größerer Auftrag zur Lieferung von grünen Jacken vergeben. Die Farbe der Dienstkleidung wechselte mehrmals, bis man sich schließlich auf blau einigte. Für die Obmänner wurden vier Helme mit Roßschweif angeschafft. Mit dem Kauf einer Schiebeleiter aus Mainz war das Geld aufgebraucht.

In einer außerordentlichen Generalversammlung am 23. Oktober 1869 beschlossen die Mitglieder eine Kapitalanleihe von 1000 Gulden aufzunehmen. Es erfolgte eine Ausgabe von 200 unverzinslichen Aktien zu je fünf Gulden.

Im Jahr 1872 wurde das in der Oberen Pfarrgasse erbaute neue Spritzenhaus seiner Bestimmung übergeben. Drei Jahre später, 1875, fand in Michelstadt die Gründung des Provinzialfeuerwehrverbandes statt, der gleichzeitig seinen ersten Feuerwehrtag veranstaltete.

Aus den Protokollen sind interessante Anordnungen zu ersehen. So wurde den Schlauchführern aufgegeben, bei Übungen den gehörigen Ernst obwalten zu lassen und etwa umstehendes Publikum zu verschonen.

 

Den 25. Gründungstag feierte die Wehr auf dem Rosenkeller in der Hochstraße, während das 35‑jährige Bestehen in Verbindung mit dem Provinzialfeuerwehrtag auf dem alten Turnplatz im Jahr 1904 festlich begangen wurde.

Der Erste Weltkrieg forderte auch Opfer unter den Feuerwehrmännern in Michelstadt. Die Namen der zehn Gefallenen befinden sich auf einer Ehrentafel im Feuerwehrhaus, die am 4. März 1923 übergeben wurde.

Durch die Nachkriegsverhältnisse konnte das 50‑jährige Bestehen der Feuerwehr nicht gefeiert werden, daher wurde das 60‑jährige Stiftungsfest verbunden mit der Kreisfeuerwehrtagung vom 1. ‑ 3. Juni 1929 ein besonderer Höhepunkt. Ein Bild der Schul‑ und Festübung auf dem Marktplatz am Sonntag, den 2. Juni 1929 ist auf der Innenseite der Festschrift. An dieser Übung nahmen 175 aktive Feuerwehrmänner teil, die gesamte Mitgliederzahl betrug 445. An Geräten standen zur Verfügung:

Eine fahrbare mechanische Leiter, ein Gerätewagen, drei fahrbare Saug‑ und Druckspritzen, zwei Schlauchwagen, eine kleine Druckspritze, ein Rettungsschlauch, ein Schlupfsack, sowie eine Anzahl Stockwerk‑ und Dachleitern und 750 Meter Schläuche.

Trotz größter Bemühungen des damaligen Bürgermeisters Heinrich Ritzel kam das Geburtstagsgeschenk, eine Motorspritze, erst zur Schlußübung 1931. 1937 wurde die Freiwillige Feuerwehr zur Feuerlöschpolizei umbenannt. In den Kriegsjahren wurde eine Einsatzgruppe unter der Leitung von Ludwig Meyer und Ludwig Arzt gebildet, die mit zwei Löschfahrzeugen bei Fliegeralarm einsatzbereit sein mußten. Diese Gruppe mit Gustav Bender, Philipp Eckart, Wilhelm Eckstein, Ferdinand Egly, Wilhelm Emig, Georg Ganster, Wilhelm Künzel, Leonhard Löffler, Fritz Möllinger und Wilhelm Schlander wurde für ihren Einsatz beim Bombenangriff auf Darmstadt 1944 bei der Bergung im Elisabethenstift öffentlich belobt.

22 Mitglieder kamen aus dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr zurück.

In über 100 Einsätzen hat die Freiwillige Feuerwehr Michelstadt ihren Auftrag auf dem Gebiet des Feuerlöschwesens erfüllt. Daß in unserer Heimatstadt altes Kulturgut in Bauwerken erhalten blieb, danken wir nicht zuletzt der verantwortungsvollen Tätigkeit der Feuerwehr.

 

Kommandanten Vorsitzende
bzw. Wehrführer
Ferdinand Scheuermann
1869 Tobias Arzt E. K. Glenz
1870/75 Heinrich Faatz Jean d'Orville
1876/78 Jakob Schmucker Julius Strauß
1879/81 Heinrich Faatz Dr. med. Kennel
1882/84 Stanel Ton Ludwig Reubold
1885/86 Heinrich Raufert J. Königs
1881/89 Balthasar Schmucker Jakob Künzel
1890/98 Jakob Schmucker Heinrich Pfaff
1899/23 Jakob Löb Johann Geist, 1946/51
1924 Wilhelm Bauer Wilhelm Rexroth, 1951/56
1925/33 Konstantin Burger Heinrich Siefert, 1956/72
1933/34 Gustav Creutz Willi Pfeifer, 1972/73
1934/45 Ludwig Meyer Theo Lübbers, 1973/82
1945/50 Friedrich Kurz Gerd Beller, ab 1982
1951 Ludwig Meyer
1951/63 Ludwig Arzt
1963/73 Willi Pfeifer
1973/79 Georg Arzt
ab 1980 Gerd Beller
Stadtbrandinspektoren (seit der Gebietsreform)
als Gesamtleiter aller 8 Feuerwehren der Stadt Michelstadt
1973‑1983 Willi Pfeifer
ab 1983 Gerd Beller


Feuerwehr Michelstadt beim 90-jährigen Jubiläum im Jahre 1959


Feuerwehr Michelstadt beim 100-jährigen Jubiläum im Jahre 1969


Feuerwehr Michelstadt beim 115-jährigen Jubiläum im Jahre 1984

 

1869‑1984

115 Jahre Freiwillige Feuerwehr Michelstadt

Von Stadtbrandinspektor Gerd Beller

 

Als im Jahre 1869 die Freiwillige Feuerwehr Michelstadt gegründet wurde, und damit eine Aufgabe übernahm, die zuvor allen Bürgern der Stadt gestellt war, hatte bereits die Zeit, in der bei der Brandbekämpfung der Feuerhaken und der Löscheimer Verwendung fanden, ihr Ende gefunden. Für die Anschaffung dieser Geräte musste zuvor noch jeder Bürger der Stadt selbst aufkommen und war dazu verpflichtet, bei der Brandbekämpfung selbst mit Hand anzulegen.

Man kann den Urkunden entnehmen, dass die erste hölzerne Wasserspritze in Michelstadt im Jahre 1712 angeschafft worden war, die jedoch schon 1717 durch eine kupferne Wasserspritze, die ein Biberacher Kupferschmied gebaut hatte, abgelöst wurde. 1796 lieferte dann der Michelstädter Schlossermeister Georg Philipp eine neue Spritze. Die wiederum wurde im Jahre 1866 ‑ 3 Jahre vor Gründung der Freiwilligen Feuerwehr ‑ durch eine neue, verbesserte Spritze ersetzt, die von der Firma Carl Metz, Heidelberg, geliefert worden war. Diese hatte ihren Standplatz in der alten Zehntscheuer in der Mauerstraße. Im Jahre 1877 lieferte schließlich die Firma Andreas Hartmann, Groß‑Bieberau die fünfte Feuerspritze, bei der 12 bis 16 Mann zum Pumpen erforderlich waren.

Die drei letztgenannten Handspritzen dürften also neben Feuerhaken und Holzleitern die einzige Ausrüstung der neu gegründeten Wehr gewesen sein und es war wohl damit kein großer Staat zu machen. Man kann sich heute gut vorstellen, daß bei der damaligen Bauweise in der Innenstadt, mit den eng aneinander gereihten Holzhäusern, eine Brandbekämpfung und ein Feuerschutz, wie wir ihn uns heute vorstellen, nur schwer möglich war. Man beschränkte sich mehr oder weniger darauf, brennende Gebäude möglichst schnell einzureisen, um ein Übergreifen auf Nachbargebäude zu verhindern.

Diese Tatsache mag wohl auch den damaligen Angehörigen der Wehr Kopfzerbrechen gemacht haben, denn am 24. September 1869, so kann man einem überlieferten Sitzungsprotokoll entnehmen, wurde eine Deputation gewählt, um den Grafen von Erbach‑Fürstenau um »Erlass seiner Spritze« zu bitten. Ob dieser Bitte entsprochen wurde, ist nicht verzeichnet. Man erkennt jedoch, dass die Feuerwehr darum bemüht war, ihre Gerätschaften laufend zu verbessern und zu vervollkommnen.

Wie in vielen anderen Orten sammelten sich auch in Michelstadt im Jahre 1868 eine Schar Bürger, die vom Fabrikant Metz aus Heidelberg, dem Hersteller der damals durch die Stadt angeschafften Feuerspritze ausgebildet wurden. Die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr wurde alsdann im Jahre 1869 in einer Sitzung im Gasthaus »Grüner Baum« vorgenommen. Aus der Mitte der Versammlung kamen sofort 42 Beitrittserklärungen. Die Zahl der Mitglieder hat sich im gleichen Jahr noch auf 125 erhöht. Jede Woche fand eine Vereinsversammlung im Vereinslokal dem » Grünen Baum« statt. Schon am 15. Juli 1869 wurde der erste Vorstand mit dem Vorsitzenden Ferdinand Scheuermann gewählt. Kommandant war Tobias Arzt. Eine einheitliche Kleidung wurde in der Sitzung vom 2 1. Dezember 1869 beschlossen und ein größerer Auftrag zur Lieferung von grünen Jacken vergeben. Die Farbe der Kleidung wechselte mehrmals, bis man sich schließlich auf blau einigte. Bei der ersten Wahl der Wehrführung wurde Heinrich Arzt zum Brandmeister gewählt. Um die inzwischen stattlich anwachsende Zahl von Mitgliedern entsprechend einzukleiden und mit den erforderlichen Geräten zu versehen, galt es nun, die hierzu notwendig werdenden Mittel sicherzustellen. Zu diesem Zwecke wurde am 23. Oktober 1869 eine außerordentliche Generalversammlung einberufen, die über die Aufnahme einer Kapitalanleihe von 1.000 Gulden durch Ausgabe von 200 Stück unverzinslichen Aktien zu je 5 Gulden zu beschließen hatte. Die Versammlung stimmte dem Vorschlag zu und schuf somit die Möglichkeit, die Bedürfnisse der Wehr zu befriedigen. Bei der Neuwahl des Vorstandes am 8. Januar 1870 wurde Jean d'Orville zum Vorsitzenden gewählt. Im Jahre 1872 wurde das in der Oberen Pfarrgasse gelegene Spritzenhaus erbaut und eingeweiht.

Das Jahr 1875 war für die Wehr unserer Stadt von besonderer Bedeutung. In diesem Jahr wurde der Provinzial‑Feuerwehrverband in Michelstadt gegründet und der erste Provinzial‑Feuerwehrtag, vergleichbar dem heutigen Kreisfeuerwehrtag, in Michelstadt abgehalten. 1889 fand das 20‑jährige Jubiläum der Wehr auf dem Gelände

 

 

der Firma Rein & Söhne in der Friedrich‑Ebert‑Straße statt (heute Kaufhalle). Die 25. Wiederkehr des Gründungstages wurde auf dem Rosenkeller gefeiert, während das 35‑jährige Bestehen in Verbindung mit dem Provinzial‑Feuerwehrtag auf dem alten Turnplatz im Jahre 1904 festlich begangen wurde. In Verbindung mit diesem Jubiläum wurde der Spielmannszug ins Leben gerufen. Der erste Weltkrieg hat eine Lücke in die Wehr gerissen. Der rührigen Tätigkeit der noch vorhandenen Kameraden, besonders aber dem Ersten Vorsitzenden Jakob Künzel gelang es bald, eine stattliche Anzahl von Mitgliedern zu gewinnen. Auch die zwischenzeitlich gegründete Feuerwehrkapelle hat zum Aufschwung der Feuerwehr wesentlich beigetragen. Unter Führung des Kommandanten Konstantin Burger und des 1. Vorsitzenden Jakob Künzel wurde im Jahre 1929 das 60. Gründungsfest feierlich begangen. Zum damaligen Zeitpunkt zählte die Freiwillige Feuerwehr Michelstadt 445 Mitglieder und zwar 175 Aktive und 270 Passive. Beim sechzigsten Gründungsfest standen der Feuerwehr folgende Geräte zur Verfügung:

1 fahrbare mechanische Leiter,

1 Gerätewagen,

3 fahrbare Saug‑ und Druckspritzen,

2 Schlauchwagen,

1 Kleindruckspritze,

1 Rutschsack

sowie Haken und Dachleiter.

 

Die Freiwillige Feuerwehr Michelstadt war zum damaligen Zeitpunkt im näheren, als auch weiteren Umkreis die best- ausgerüstete Feuerwehr. Dies war mit ein Verdienst des damaligen Bürgermeisters Heinrich Ritzel. Mit dem Jahre 1933 kam die Gleichschaltung auf allen Gebieten des Vereinslebens. Die Feuerwehr wurde dabei im Jahre 1937 zur Feuerlöschpolizei umgestaltet. Nachdem die erste mechanische Leiter zwischen 1900 und 1904 angeschafft wurde, erhielt die Wehr die erste Motorspritze im Jahre 1931.

Zu Beginn des zweiten Weltkrieges war die Freiwillige Feuerwehr Michelstadt mit einem Mannschaftstransportwagen Fabrikat »Audi«, einer Motorspritze, zwei Handdruckspritzen und einer mechanischen Leiter ausgerüstet.

Im Juni 1941 wurde ein zweiter PKW Fabrikat »Dixi« erworben und als Mannschaftswagen umgebaut. Gleichzeitig wurde eine neue Motorspritze Fabrikat »Bachert« angeschafft. Diese Geräte standen jedoch nicht nur in Michelstadt im Einsatz sondern wurden bei Fliegerangriffen auf die Großstädte im Rhein‑Main-Neckar‑Gebiet auch immer wieder zur Brandbekämpfung mit herangezogen. Für die umliegenden Ortschaften war die Michelstädter Wehr durch ihre Ausrüstung schon damals so etwas wie eine Stützpunktfeuerwehr geworden. Die Leitung der Feuerwehr oblag dem Hauptbrandmeister Ludwig Meyer. Durch die Enge im vorhandenen Feuerwehrhaus in der Oberen Pfarrgasse musste einen Löschgruppe in das Gebäude der Allgemeinen Ortskrankenkasse in der Erbacher Straße ausweichen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren zwei Löschzüge und die alte Leiter vorhanden. Es fehlten jedoch die Männer, die diese Geräte bedienen sollten. 22 Kameraden der Wehr kamen nicht mehr in ihre Heimat zurück. Sie waren gefallen oder vermisst.

Trotz des geringen Interesses nach dem Krieg für den Feuerwehrdienst gab es auch in dieser Zeit unentwegte Männer, die sich nach und nach fanden und den alten Geist der jahrelangen Feuerwehrtradition wieder aufleben ließen. So kam es, daß am 22. Februar 1946 eine erste Zusammenkunft aller früheren aktiven und passiven Feuerwehrmänner im Gasthaus »Drei Hasen« stattfand. In dieser Versammlung wurde Johann Geist zum 1. Vorsitzenden und Friedrich Kurz zum Kommandanten gewählt. Der Vorstand setzte sich aus dem 1. Vorsitzenden Johann Geist, dem Kommandanten Friedrich Kurz, dem 2. Brandmeister Ludwig Arzt und den Beisitzern Anton Frey, Leonhard Löffler, Heinrich Walther, Georg Löb, Wilhelm Hoffmann, Wilhelm Eckstein, Leonhard Struve, Georg Ganster und Emil Kunst zusammen.

Im Jahre 1949 konnte aus amerikanischen Beständen ein weiteres Kraftfahrzeug Fabrikat »Dodge« übernommen und nach dem Umbau als Ersatzfahrzeug für den unbrauchbar gewordenen Mannschaftswagen in Dienst gestellt werden. Die Unterbringung dieser Geräte und Fahrzeuge war inzwischen zu einem Problem geworden.

Die Geräte waren an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet stationiert, was immer mit Schwierigkeiten verbunden war. Schon 1947 war deshalb der Wunsch der Feuerwehr, nach einem neuen Gerätehaus, in dem alle Geräte untergebracht werden konnten, und das den modernen Erfordernissen gerecht wurde, laut geworden. Es vergingen jedoch noch 6 Jahre, bis 1953 die Freiwillige Feuerwehr Michelstadt in der Kellereibergstraße das neu erbaute Feuerwehrgerätehaus beziehen konnte. Zwischenzeitlich wurde am 18. und 19. Juni 1949 das 80‑jährige Bestehen der Wehr gefeiert. Nach

einem Festkommers am Samstag, dem 18. Juni 1949 fand am 19. Juni 1949 nach einem Platzkonzert der Feuerwehrkapelle und des Spielmannszuges auf dem Marktplatz nachmittags eine Schauübung statt. Abends wurde ein Festball im »Schmerkers Garten« durchgeführt. In der Jahreshauptversammlung am 24. Februar 1951 im »Schmerkers Garten« wird der langjährige Kommandant der Wehr, Ludwig Meyer wieder zum 1. Brandmeister gewählt. Er war jedoch zu diesem Zeitpunkt schon schwer krank und verstarb wenige Monate später. Zum neuen Brandmeister wurde Ludwig Arzt ernannt. Das Amt des Vorsitzenden wurde dem Fabrikanten Wilhelm Rexroth übertragen. Im gleichen Jahr sind die Fabrikanten Ludwig Arzt und Wilhelm Rexroth sowie der Altbürgermeister und Mitglied des Bundestages Heinrich Ritzel zu Ehrenmitgliedern ernannt worden. Das 1953 erbaute und durch Bürgermeister Adam Wöber seiner Bestimmung übergebene Feuerwehrhaus war eines der

Brand der Scheune Schuhhaus Hefele am 13. März 1962

modernsten und größten Gerätehäuser im weiten Umkreis. Neben den Fahrzeughallen im Erdgeschoß verfügt es über einen Schlauchtrockenturm, Gerätekammern, Unterrichtsräume und drei Wohnungen für Angehörige der Wehr. Weniger modern waren jedoch damals bei der Einweihung die Geräte, die in der Fahrzeughalle untergebracht werden konnten. Für die Freiwillige Feuerwehr Michelstadt geschah der erste Schritt zu einer Ausrüstung, die den neuzeitlichen Gesichtspunkten entsprach, am 13. August 1955. Im Rahmen der 1200‑Jahrfeier der Stadt Michelstadt konnte Bürgermeister Erwin Hasenzahl der Wehr eine moderne mechanische fahrbare Drehleiter des Fabrikats »Metz« als Jubiläumsgeschenk übergeben. Sie hatte eine Steighöhe von 22 m und löste die aus dem Jahre 1900/1904 stammende Holzleiter ab.

 

Die Hauptversammlung im März 1956 im Gasthaus »Drei Hasen« brachte einen Wechsel im Vorstand. Während der Ortsbrandmeister Ludwig Arzt in der Wahl wieder bestätigt wurde, konnte als Nachfolger für den zurückgetretenen 1. Vorsitzenden Wilhelm Rexroth, als neuer Vorsitzender Heinrich Siefert gewählt werden. Als früherer aktiver Feuerwehrmann und Ortsbrandmeister war er die ideale Ergänzung in der Führung der Feuerwehr. Nach der Bereitstellung der mechanischen Leiter konnte bereits zwei Jahre später, im Jahre 1957, die Ausrüstung der Wehr erneut verbessert werden. Am 15. Dezember 1957 wurde durch Bürgermeister Erwin Hasenzahl ein fabrikneues Löschgruppenfahrzeug LF 8 mit Vorbaupumpe Fabrikat »Bachert« übergeben. Es war das erste genormte und fabrikneue Löschgerät der Wehr seit ihrem Bestehen. Im Mai 1959 konnten ferner zwei geschlossene LKWs (Opel‑Blitz) beschafft und in den Dienst gestellt werden. Diese Fahrzeuge wurden durch Kameraden der Wehr in selbstloser und unermüdlicher Arbeit mit einem zweckentsprechenden Innenausbau versehen.

Somit verfügte die Freiwillige Feuerwehr Michelstadt an ihrem 90. Jubiläumstag im Jahre 1959 über folgende Fahrzeuge:

1.   1 LF 8 Opel‑Blitz mit Vorbaupumpe Baujahr 1956 (Fabrikat‑Bachert)

2.   1 Mannschaftstransportwagen Opel‑Blitz für eine Löschgruppe

3.   1 Mannschaftstransportwagen Opel‑Blitz für die mechanische Leiter und

Retterabteilung

4.   2 TS 8 Baujahr 1941 und 1957 (Fabrikat Bachert), davon 1 in LF 8 und 1 in Tragkraftspritzenanhänger untergebracht

5.    1 mechanische Leiter Länge 22 m (Fabrikat Metz) Baujahr 1953

6.    1 Mannschaftstransportwagen (Fabrikat Dodge) mit Allradantrieb und Seilwinde

Mit dieser Ausrüstung zählte die Michelstädter Feuerwehr zu den modernste ausgerüsteten Wehren der näheren Heimat und die Ausstattung war so vielseitig, dass es nur ganz kleiner Korrekturen bedurft hätte, die Wehr zum damaligen Zeitpunkt als Stützpunktfeuerwehr auszubauen. Die Feuerwehr Michelstadt verfügte damals über 61 aktive und 628 passive Mitglieder. Weiterhin 35 Mitglieder Kapelle und Spielmannszug und 4 Ehrenmitglieder.

 

Gruppenbild vor dem Feuerwehrhaus in der Kellereiberg Straße

(vermutlich im Jubiläumsjahr 1959)

 

Bei der Jahreshauptversammlung am 2. März 1963 im Saal der Brauereigaststätte wird für den ausscheidenden, langjährigen Ortsbrandmeister Ludwig Arzt, Willi Pfeiffer als Nachfolger gewählt. Ludwig Arzt wird für seine Verdienste um die Freiwillige Feuerwehr Michelstadt zum Ehrenmitglied und Ehrenbrandmeister erklärt.

Die technische Entwicklung auf dem Gebiete des Feuerlöschwesens blieb jedoch auch in den kommenden Jahren nicht stehen. Sie richtete sich nicht nur nach den Erkenntnissen der Brandbekämpfung, sondern musste gerade in diesen Jahren auf städtebauliche Neuerungen und erhöhte Anforderungen ausgerichtet werden und mit ihnen Schritt halten. Seit längerer Zeit wurden deshalb auch in Michelstadt Überlegungen angestellt, eine moderne vollmechanische Kraftfahrzeugdrehleiter zu beschaffen. Der Traum der Feuerwehr ging in Erfüllung, sodass am 25. Januar 1969 im Rahmen einer kleinen Feierstunde vor dem Michelstädter Rathaus die Übergabe der Kraftfahrzeugdrehleiter DL 30 ‑ Fabrikat »Metz, Karlsruhe« ‑ erfolgen konnte. Die Beschaffung wurde durch die Bemühungen von Bürgermeister Erwin Hasenzahl und die finanzielle Unterstützung von Industrie, Handel und Handwerk ermöglicht. Die Michelstädter Wehr erhielt in ihrem 100. Jubiläumsjahr dieses wertvolle Geschenk, das teuerste, das sie bis zu diesem Zeitpunkt besaß. Bürgermeister Erwin Hasenzahl bezeichnete bei der Übergabe die Kraftfahrzeugdrehleiter jedoch nicht nur als Geburtstagsgeschenk, sondern auch als Dank und Anerkennung für die selbstlose Bürgerleistung, die von den Männern durch ihren Dienst in der Wehr vollbracht wird.

Auch in den folgenden Jahren konnte die Ausrüstung weiter verbessert werden. So wurde im September 1970 die erste Fahrzeugfunkanlage in der Drehleiter eingebaut und zusätzlich 2 Handfunksprechgeräte zur Verfügung gestellt. Aus eigenen Mitteln konnte die Feuerwehr im Jahre 1970 einen DKW‑Jeep, sowie einen, mit Unterstützung des Forstamtes, umgerüsteten Waldbrandanhänger in Dienst stellen. Der technische Fortschritt und die vielseitigen Gefahren, mit denen sich der Feuerwehrmann tagtäglich befassen muss, erfordern die Bereitstellung von entsprechenden Fahrzeugen und Geräten.

Am 28. Mai 1971 konnte durch Bürgermeister Hasenzahl ein Trockentanklöschfahrzeug (TroTLF 16) ‑ Fabrikat »Bachert« ‑ übergeben werden. Bei dieser Fahrzeugbeschaffung hat sich die Feuerwehr finanziell beteiligt. Am 10. März 1972 scheidet nach 17‑jähriger Tätigkeit aus Altersgründen Heinrich Siefert als Vorsitzender aus. Ortsbrandmeister Willi Pfeifer erklärt sich bereit, bis zur regulären Wahl im Jahre 1973 den Vorsitz zu übernehmen. Mit der Verschwisterungsfeier zwischen den Städten Michelstadt und Rumilly in Frankreich beginnt eine langjährige und noch andauernde Partnerschaft zwischen den beiden Feuerwehren. Am 13. 5. 1972 ist der Spielmannszug und eine Abordnung der Wehr bei den Feierlichkeiten in Südfrankreich. Auf Anregung des ehemaligen Vorsitzenden Heinrich Siefert und des Ortsbrandmeisters Willi Pfeifer wird am 27. Dezember 1972 die Gründung einer Jugendfeuerwehr vollzogen. Damit ist der Grundstock für eine nun beginnende Jugendarbeit und der Fortbestand der Wehr ohne Nachwuchsprobleme geschaffen.

 

Der Spielmannszug der Feuerwehr im Jahre 1937

 

In der Jahreshauptversammlung am 26. Januar 1973 im Cafe »Richter« wird Theo Lübbers zum 1. Vorsitzenden gewählt. Zu Beginn der 70er Jahre hat sich auch in den Feuerwehren die Gebietsreform bemerkbar gemacht. Mit der neuen Satzung gab es erstmals die Funktion des Wehrführers. Bei der gleichen Jahreshauptversammlung wurde Georg Arzt zum Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr' Michelstadt gewählt. Im September des gleichen Jahres erfolgte die Wahl von Willi Pfeifer zum Stadtbrandinspektor der Freiwilligen Feuerwehren des Stadtbereiches Michelstadt, der außer der Kernstadt sieben Stadtteile umfasst. Die Freiwillige Feuerwehr Michelstadt hatte nunmehr einen Zuständigkeitsbereich mit ca. 15.000 Einwohnern zu betreuen. Im Jahre 1974 wurde der Freiwilligen Feuerwehr Michelstadt die Betreuung des ABC‑Zuges für den Odenwaldkreis übertragen und vom Land Hessen ein Vorausentgiftungsfahrzeug auf Unimog‑Fahrgestell zur Verfügung gestellt.

Nachdem in den vergangenen 106 Jahren alle Fahrzeuge und Gerätschaften mit Unterstützung der Stadt Michelstadt oder durch die Stadt Michelstadt erworben wurden, konnte am 2. Juli 1975 durch den leitenden Ministerialdirigenten Walter Kaiser vom Hess. Innenministerium das erste vom Land Hessen komplett finanzierte Fahrzeug übergeben werden. Es handelte sich dabei um den Rüstwagen RW 1 (Fabrikat »Magirus«). Die Bereitstellung dieses Fahrzeuges machte bereits die zu diesem Zeitpunkt schon veränderte Einsatzsituation deutlich. Nachdem in den vergangenen Jahrzehnten die Feuerwehr fast ausschließlich nur zu Brandeinsätzen alarmiert wurde, waren nunmehr vorwiegend technische Hilfeleistungen zu bewältigen. Nachdem sich die Einsatzzahlen von 10 ‑ 15 Einsätzen Anfangs der 70er Jahre zu nunmehr 50 ‑ 100 Einsätzen jährlich erhöhten und mehr technische Hilfeleistungen hinzukamen, musste eine neue Art der Alarmierung vorgenommen werden. Durch das Land Hessen wurden zunächst 13 Funkmeldeempfänger »Piepser« für die stille Alarmierung zur Verfügung gestellt. Dies war der Beginn zum Aufbau eines heute vorbildlichen Alarmierungssystems und Funkwesens. Im Jahre 1975 ist der DKW-Jeep als Kommandowagen außer Dienst gestellt worden. Im darauf folgenden Jahr hat die Feuerwehr Michelstadt aus Vereinsmitteln einen gebrauchten VW‑Bus als Kommandowagen erworben und in eigener Regie ausgebaut. Bereits im Jahre 1978 musste man den VW‑Bus durch einen neuen Bus ersetzen, der ebenfalls aus Eigenmitteln finanziert wurde. Am 15. September 1979 ist bei der Verabschiedung von Bürgermeister Erwin Hasenzahl diesem für seine Verdienste um das Feuerlöschwesen die Ernennung zum Ehrenmitglied ausgesprochen worden. Nach dem Rücktritt des Wehrführers Georg Arzt, wurde am 29. Februar 1980 in der Jahreshauptversammlung im Cafe »Richter« der Jugendfeuerwehrwart Gerd Beller zum Wehrführer gewählt. Im gleichen Jahr folgte die Anschaffung eines Vorausgerätewagens (Opel‑Rekord) zum Preis von DM 19.000,‑, den die Feuerwehr aus Eigenmitteln selbst finanzierte. Er wurde bei der Eröffnung des Bienenmarktes im Innenhof der Kellerei an Bürgermeister Reinhold Ruhr übergeben. Dem Magistrat und besonders Bürgermeister Reinhold Ruhr war es zu verdanken, daß für dieses neue Fahrzeug die Rettungsgeräte mit Schere, Spreitzer und Elektropumpenaggregat beschafft werden konnten. Eine wesentliche Verbesserung hat die Alarmierung der Feuerwehr durch die Beschaffung von 14 weiteren Funkmeldeempfängern erfahren. Zusätzliche, durch Feuerwehrmänner selbst angeschaffte Meldeempfänger führten zu dem heute verfügbaren Gesamtbestand von 30 Geräten. Dem in Michelstadt stationierten ABC‑Zug wurde ein Dekontaminationsmehrzweckfahrzeug überlassen.

Das durch diese Fahrzeugübernahme ausgesonderte Vorausentgiftungsfahrzeug (Unimog) hat die Feuerwehr übernommen und in eigener Regie im letzten Jahr zu einem Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) umgerüstet. Im Jahre 1980 sind die langjährigen Bemühungen der Bürgermeister Hasenzahl und Ruhr mit Erfolg gekrönt worden.

Die Freiwillige Feuerwehr Michelstadt erhielt die offizielle Anerkennung als Stützpunktfeuerwehr des Landes Hessen.

Nach dem Ausscheiden des Vorsitzenden Theo Lübbers, der zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde, erfolgte am 12. März 1982 in der Jahreshauptversammlung in der Odenwaldhalle die Wahl von Wehrführer Gerd Beller zum 1. Vorsitzenden. Bei den Feierlichkeiten zu 10‑jährigen Partnerschaft zwischen Michelstadt und Rumilly war die Feuerwehr mit einer Abordnung, zwei Fahrzeugen und dem Spielmannszug vertreten. Die Ausrüstung der Wehr konnte auch in diesem Jahr durch die Beschaffung eines weiteren Fahrzeuges verbessert werden. In einer Feierstunde am 9. Juni 1982 ist auf dem Marktplatz, vor dem historischen Rathaus, das Löschgruppenfahrzeug LF 16 (Fabrikat »Bachert«) durch Bürgermeister Reinhold Ruhr übergeben worden. Im Jahre 1983 vollzog sich an der Spitze der Feuerwehren des Stadtbereiches Michelstadt ein Generationswechsel. Als Nachfolger für den aus gesundheitlichen Gründen ausscheidenden Willi Pfeifer, der zum Ehrenstadtbrandinspektor ernannt wurde, hat die Hauptversammlung aller Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Michelstadt am 29. April 1983 im Schenkenkeller der Kellerei Gerd Beller zum Stadtbrandinspektor gewählt. Die Freiwillige Feuerwehr Michelstadt hat sich in den vergangenen Jahren immer um die Verbesserung der Einsatzstärke und Leistungsfähigkeit als Sützpunktfeuerwehr bemüht. Neben der Bereitstellung von Ausrüstungsgegenständen für die Feuerwehrmänner, die ihren uneigennützigen Dienst zu jeder Tages‑ und Nachtzeit für den Bürger unserer Heimatstadt versehen, war die Ausstattung mit modernsten Geräten und Fahrzeugen eine besondere Aufgabe. Aus dem Beitragsaufkommen der passiven Mitglieder konnte im Jahre 1983 eine erneute Fahrzeuganschaffung erfolgen.

Übergabe des Löschgruppenfahrzeuges LF 16 am 9. Juni 1982

Im Anschluss an die Jahreshauptübung wurde im Innenhof der Kellerei am 27. Oktober 1983 ein neues Einsatzleitfahrzeug (Mercedes‑Benz) übergeben. Das besondere Problem jedoch stellt nicht nur bei der Feuerwehr, sondern bei allen Verantwortlichen der Stadt die Unterbringung der Fahrzeuge und Geräte dar. Für die 9 zur Zeit vorhandenen Einsatzfahrzeuge stehen in dem 31 Jahre alten Gerätehaus in der Kellereibergstraße nur 4 Fahrzeughallen zur Verfügung. Bis auf den Mannschaftswagen sind jedoch alle Fahrzeuge untergestellt. Die Unterstellmöglichkeiten im Feuerwehrhaus sowie im städtischen Bauhof sind keine Dauerlösung. Die Verantwortlichen haben dies erkannt und sind bemüht, das Problem kurzfristig zu lösen.

115 Jahre Freiwillige Feuerwehr Michelstadt sind 115 Jahre Dienst am Nächsten. Bei der akademischen Feier am 19. Mai 1984 bei der der leitende Branddirektor der Berufsfeuerwehr Frankfurt/Main, Prof. Dr. Ernst Achilles den Festvortrag hielt, kam zum Ausdruck, dass in den über 11 Jahrzehnten in der Freiwilligen Feuerwehr Michelstadt Vorbildliches geleistet wurde. Für die Feuerwehr bringt jeder Tag neue Entwicklungen und neue Erkenntnisse, von denen die Feuerwehren bestrebt sind, davon zu profitieren, damit sie noch schneller und gezielter helfen können und auch in Zukunft ein zuverlässiger Partner in Not‑ und Gefahr bleiben.

 

Übergabe der Drehleiter DL30 am 25. Januar 1969

 

1904‑1984

80 Jahre Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Michelstadt

von Stadtbrandinspektor Gerd Beller

Der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Michelstadt kann auf eine langjährige Tradition zurückblicken. Die Gründung geht bis in das Jahr 1904 zurück. Aus anfänglichen Schwierigkeiten hat sich der Spielmannszug in den kommenden Jahren hervorragend entwickelt. Dem Spielmannszug wurde 1919 die Feuerwehrkapelle angegliedert, die auf Anregung des damaligen Kommandanten Jakob Löb im Gasthaus »Zum Ochsen« gegründet wurde. Erster Kapellmeister war der leider allzu früh verstorbene Hermann Schulze. Die Kapelle und der Spielmannszug fanden in der Bevölkerung viel Sympathie und waren weit über die Heimatstadt hinaus bekannt und angesehen. Das erste gemeinsame Auftreten der neu gegründeten Feuerwehrkapelle mit dem Spielmannszug war beim Feuerwehrfest in Würzberg. Die Proben des Spielmannszuges fanden im Gasthaus »Zum Ochsen« statt, dessen Besitzer Wilhelm Bauer, war Brandmeister der Freiwilligen Feuerwehr. Mitglieder des Spielmannszuges waren zu diesem Zeitpunkt unter anderem Wilhelm Hoffmann, Peter Arzt, Philipp Eckart, Wilhelm Haußner, Fritz Hoffarth, Emil Kräußlich, Johann Löb, Johannes Luft, Ludwig Möllinger und Peter Schmitt. In den 30er‑ und 40er Jahren gab es einen neuen Aufschwung für den Spielmannszug,

 

Der Spielmannszug beim 100-jährigen Gründungsfest 1969

 

der hauptsächlich dem Stabführer Leonhard Rösinger zu verdanken war. Zu diesem Zeitpunkt waren unter anderem Fritz Croissant, Friedel Steiner, Christian Beck, Fritz Eckert, Jakob Vonderschmidt und Ludwig Kaffenberger besonders engagierte Spielleute.

Durch die Kriegsjahre wurde der Spielmannszug allmählich, ebenso wie die Feuerwehrkapelle, aufgelöst. Erst 1947 fanden sich aus denen, die den Krieg überlebt hatten und wieder heimgekehrt waren, einige Kameraden, die zum Wiederaufbau einer leistungsfähigen Feuerwehrkapelle und eines Spielmannszuges bereit waren. Mitte der 50er Jahre trat eine starke Verjüngung innerhalb des Spielmannszuges ein. Zu diesem Zeitpunkt wurden unter anderen die Kameraden Heinz Löffler, Helmut Möller und Helmut Kräußlich in den Spielmannszug aufgenommen.

Sie waren bei der Wiederbelebung des Zuges im Jahre 1966 maßgeblich beteiligt. Mitte der 50er Jahre war Franz Schmidt als Stabführer der Leiter des Spielmannszuges. Bei der Einweihung des neuen Feuerwehrhauses im Jahre 1953 beteiligte sich der Spielmannszug am Weckruf und gestaltet gemeinsam mit der Feuerwehrkapelle die Feierstunde. Im November 1954 haben sich sieben Jugendliche zur Mitwirkung beim Spielmannszug angemeldet. Wegen der hohen Kosten wurde die Einkleidung mit Uniformen bis zum kommenden Jahr 1955 zurückgestellt. In der Jahreshauptversammlung am 19. März 1955 im Gasthaus »Drei Hasen« setzt der Spielmann Christian Beck die Versammlung davon in Kenntnis, daß es dem Spielmannszug infolge des Weggangs von 6 jüngeren Spielleuten zu dem neu aufgestellten Fanfarenzug nicht mehr möglich ist, zu spielen. Den intensive Bemühungen des Vorstandes unter dem neuen Vorsitzenden Heinrich Siefert war es zu verdanken, daß nach einer Mitgliederwerbeaktion der Spielmannszug am 3. Januar 1957 wieder mit den Übungsstunden begann. Die nun neu geschaffenen Aktivitäten waren jedoch nicht von langer Dauer. Durch Interessenlosigkeit und das Fehlen einer geeigneten Führungs‑ und Ausbildungskraft wurde das gerade wieder Aufgebaute zerstört und der Spielmannszug aufgelöst. Das Jahr 1960 bedeutete das Ende der über 40 Jahre bestehenden Feuerwehrkapelle.

Auf Initiative des damaligen 1. Vorsitzenden Heinrich Siefert und des Ortsbrandmeisters Willi Pfeifer wurde durch den Kameraden Horst Ammerbach die Wiedergründung des Spielmannszuges vorgenommen. Der Feuerwehrvorstand faßte in der Sitzung am 18. Juli 1966 den Beschluß zur Wiederbelebung des Spielmannszuges und der damit verbundenen Anschaffung von Instrumenten. Von den ehemaligen Spielleuten waren die Kameraden Heinz Löffler, Helmut Möller, Ludwig Trumpfheller und Helmut Kräußlich wieder mit Begeisterung bei der Sache. Als Ausbilder und Gesamtleiter des Spielmannszuges konnte Karl Bansbach gewonnen werden. Den vielfach Initiativen und der allgemeinen Unterstützung war es zu verdanken, daß zum Jahresball am 26. November 1966 im »Schmerkers Garten« der Spielmannszug seinen ersten Auftritt vornehmen konnte. Neben dem Stabführer Horst Ammerbach waren die Spielleute Heinz Löffler, Helmut Möller, Ludwig Trumpfheller, Norbert Grasmück, Helmut Heim, Helmut Kräußlich, Gustav Weitz, Heinz Vetter, Heinz Germann, Philipp Weitz, Walter Pfeifer, Klaus Dieter Ammerbach, Jürgen Ammerbach und der Ausbilder Karl Bansbach beteiligt. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten und der Skepsis innerhalb der Wehr konnte sich der Spielmannszug als ein Aushängeschild nicht nur für die Stadt Michelstadt und die Feuerwehr entwickeln.

Beim 100‑jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr im Jahre 1969 übernahm der Spielmannszug die musikalische Umrahmung der Festveranstaltungen und erhielt durch Bürgermeister Erwin Hasenzahl eine Standarte. Der Spielmannszug bestand beim 100‑jährigen Gründungsfest aus 16 Spielleuten. Durch eine intensive Mitgliederwerbung konnte Anfang der 70er Jahre die Zugstärke auf 24 Spielleute erhöht werden. Nach dem Tod des Ausbilders Karl Bansbach konnten zwei Ausbilder aus Fränkisch‑Crumbach für eine Übergangsphase gewonnen werden. Die Ausbildung der Spielleute übernahm nun Heinz Löffler sowie Ludwig Siefert der Stabführer des Spielmannszuges aus Vielbrunn. Mit Unterstützung der Feuerwehr konnten weitere Musikinstrumente angeschafft werden. Der Spielmannszug hatte sich nunmehr als fester Bestandteil in der Stadt sowie im Landkreis etabliert. Neben der Beteiligung bei Feuerwehrveranstaltungen zeigte er insbesondere beim Bienenmarkt, bei Festumzügen im Odenwaldkreis und anderen Gelegenheiten sein Können. Ende der 70er Jahre konnte die Zugstärke weiter erhöht werden. Besondere Verbindungen wurden mit den Feuerwehrkameraden aus der Partnerstadt Rumilly in Frankreich geknüpft. Besuche des Spielmannszuges in Rumilly und Gegenbesuche in Michelstadt sind Zeichen für die freundschaftlichen Beziehungen beider Wehren. Nunmehr begann auch die verstärkte Beteiligung an Wertungs‑ und Kritikspielen auf Kreisebene. Beim 100‑jährigen Jubiläumsfest der Freiwilligen Feuerwehr Erbach konnte der Spielmannszug 1979 in der A‑Klassen Wertung den 1. Platz erreichen und wurde somit Sieger des Kreiswertungsspielens. Der Spielmannszug weilte im Jahre 1980 ein weiteres Mal in der Partnerstadt Rumilly und förderte damit die deutsch‑französischen Verbindungen. Beim dritten Wertungsspielen der Spielmannszüge des Odenwaldkreises in Brensbach gelang im Jahre 1981 ein dritter Platz mit dem Gewinn der Silbermedaille. Die durch den Stabführer Horst Ammerbach geknüpften Verbindungen mit dem Spielmannszug aus Friedrichstadt/Nordfriesland konnten bei einem Besuch im Jahre 1981 erwidert werden. Mit Helmut Möller, Heinz Vetter, Heinz Löffler, Ludwig Trumpfheller, Helmut Heim und Horst Ammerbach konnten ebenfalls im Jahre 1981 die ersten Spielleute des Spielmannszuges mit dem Ehrenzeichen für Feuerwehrmusiker in Bronze ausgezeichnet werden. Durch Besuche von Lehrgängen war eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit möglich. Bei den vierten Kreiswertungsspielen, verbunden mit dem dritten Bezirkswertungsspielen in Breuberg‑Neustadt konnte der Spielmannszug in der A‑Klasse wiederum die Silber‑Medaille erringen. Diese Leistung war umso höher einzuschätzen, da fast 2/3 der Teilnehmer aus Städten außerhalb des Odenwaldkreises kamen. Der Beginn des Jubiläumsjahres 1984 mit dem 80‑jährigen Bestehen des Spielmannszuges brachte einen Wechsel an der Spitze des Zuges, als Hans‑Peter Orth zum Nachfolger von Horst Ammerbach als Stabführer gewählt wurde. Für die Ausbildung zeichnet nunmehr bereits seit 10 Jahren Heinz Löffler und Ludwig Siefert, Vielbrunn verantwortlich.

Dem Spielmannszug ist es mit zu verdanken, daß das Ansehen der Freiwilligen Feuerwehr Michelstadt in der Bevölkerung gestärkt und ausgebaut werden konnte.

 

Jugendfeuerwehr Michelstadt

von Stadtbrandinspektor Gerd Beller

Bereits ein Jahr vor der offiziellen Gründung hat in der Jahreshauptversammlung 1971 der damalige Vorsitzende der Freiwilligen Feuerwehr Michelstadt, Heinrich Siefert angeregt, eine Jugendfeuerwehr ins Leben zu rufen. In Zusammenarbeit mit dem Ortsbrandmeister Willi Pfeifer wurde auf die Gründung der Jugendfeuerwehr hingearbeitet. Zum Ende des Jahres 1972 war es soweit. Am 27. Dezember wurde in Anwesenheit von Bürgermeister Erwin Hasenzahl die Jugendfeuerwehr der Freiwilligen Feuerwehr Michelstadt gegründet. Der erste Jugendfeuerwehrwart war der Feuerwehrmann Siegfried Nicklas. Bei der Gründungsversammlung haben 13 Jugendliche ihre Mitarbeit in der Jugendgruppe der Feuerwehr erklärt. Innerhalb kurzer Zeit konnte der Personalbestand erhöht werden. Nach dem Rücktritt des Jugendfeuerwehrwartes übernahm in einer kurzen Übergangsphase 1974/75 Norbert Scherff die Leitung der Jugendfeuerwehr, bevor 1975 Gerd Beller durch den damaligen Wehrführer Georg Arzt mit der Leitung der Jugendfeuerwehr beauftragt worden ist und in der Jahreshauptversammlung die Bestätigung als Jugendfeuerwehrwart erhielt.

Nunmehr begann eine rasche positive Entwicklung in der Jugendarbeit. Neben der allgemeinen feuerwehrtechnischen Ausbildung und dem Heranführen zum späteren aktiven Feuerwehrdienst ist der allgemeinen Jugendarbeit mit Fahrten,

Zeltlageraufenthalt der Jugendfeuerwehr 1976 in Würzberg

stehend (v. l.): Jugendwart G. Beller, K. Trumpfheller, M. Ammerbach, M. Schmitz, T. Uhrig,

T. Lang, U. Müller, R. Mohr, R. Kroh, K. Vonderschmidt

knieend (v. l.): J. Obier, A. Brunner, M. Kraus, T. Wutz, F. Müller, S. Schweizer, R. Bieberle

 

Zeltlager, sportlicher Betätigung besondere Beachtung geschenkt worden. Die Anzahl der Jugendlichen hat sich rasch auf 22 Mitglieder im Jahre 1976 erhöht. Die ersten Michelstädter Jugendfeuerwehrmänner, die eine Leistungsspange der Deutschen Jugendfeuerwehr erwarben, waren 1977 der Jugendgruppenleiter Reiner Mohr sowie Klaus Trumpfheller, Thomas Uhrig, Reiner Kroh und Roland Bieberle. Heute ist für jeden Jugendfeuerwehrmann der Abschluß der Tätigkeit in der Jugendgruppe mit dem Erwerb der Leistungsspange verbunden.

Ein Ferienaufenthalt in der französischen Partnerstadt Rumilly war seit Jahren das große Ziel der Jugendfeuerwehr.

Im Jahre 1978 war es nunmehr soweit. Für 10 Tage besuchte die Jugendfeuerwehr unter Leitung des Jugendfeuerwehrwartes Gerd Beller die Pompiers und die Jugendfeuerwehr (Cadetts) in Rumilly. Dieser Aufenthalt mit verschiedenen Fahrten nach

Aix‑le‑Bains, Lyon sowie die Besuche des Feuerwehrmuseums und verschiedenen Berufsfeuerwehren sind heute noch unvergessen und werden in bleibender Erinnerung bestehen. Der Gegenbesuch aus Rumilly mit der Jugendgruppe folgte zum Bienenmarkt 1979. Trotz zahlreicher Übernahmen in die Einsatzabteilung stieg im Jahre 1980 der Personalbestand der Jugendfeuerwehr auf 28 Mitglieder. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten bereits 2 1 Jugendliche in knapp 10 Jahren aus der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung übernommen werden.

Jugendfeuerwehr Michelstadt ‑ 1984

stehend (v. l.): R. Mohr T. Seel, P. Trumpfheller, R. Neubauer, T. Ihrig, M. Willms, S. Loos,

A. Hennig, S. Meyer, S. Recoulle, G. Beller,

knieend (v. l.): H. Fischer, T. Hahne, J. Geppert, S. Fink, R. Sulzbach, V. Fink

Mit der Wahl von Gerd Beller zum Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr ergab sich nach sechsjähriger Tätigkeit ein Wechsel in der Funktion des Jugendfeuerwehrwartes. Der langjährige Jugendgruppenleiter Reiner Mohr wurde neuer Jugendfeuerwehrwart. Durch die zahlreichen Übernahmen hat sich Anfangs der 80er Jahre die Stärke der Jugendfeuerwehr stark reduziert. Durch eine gute Jugendarbeit und gezielte Öffentlichkeitsarbeit, zu denen die Information in Schulen und Kindergärten gehört, konnte der Mitgliederstand langsam aufgebaut und erhöht werden. Seit zwei Jahren werden mit großem Erfolg in Verbindung mit der Stadt Michelstadt die Ferienspiele ausgerichtet.

Die Skepsis zu Beginn der Gründung der Jugendfeuerwehr hat sich nicht bewahrheitet. Es ist vielmehr den damaligen Gründer zu danken, daß die Einsatzabteilung heute diesen hervorragenden Ausbildungsstand und die hohe Zahl von aktiven Feuerwehrmännern aufweist, denn ohne die 1971 gegründete Jugendfeuerwehr wäre mit Sicherheit die positive Entwicklung in der Freiwilligen Feuerwehr Michelstadt in den vergangenen 15 Jahren nicht eingetreten. In diesem Jahr hat die Jugendfeuerwehr, die 13 Jahre nur Männersache war, auch ihre Pforten für Mädchen geöffnet. Von den heute aktiven 16 Jugendlichen sind 3 Mädchen.

Der Erfolg der Jugendarbeit in den vergangenen 13 Jahren macht eine Zahl deutlich. Von den heute rund 60 aktiven Feuerwehrmännern der Freiwilligen Feuerwehr Michelstadt sind 25 Kameraden aus der Jugendfeuerwehr hervorgegangen.

Quelle: Festschrift zum 115-jährigen Jubiläum der Feuerwehr Michelstadt im Jahre 1984