Mit dem Abschied von Gerd Beller geht eine Ära zu Ende

Bürgermeister Stephan Kelbert fasste Bellers Lebensleistung von 47 Dienstjahren in Worte. Er habe unter drei Bürgermeistern gedient. Die Jugendarbeit sei auch heute noch seine Herzensangelegenheit. Intensiv habe er sich um die Einsatzabteilung gekümmert. Was die technische Ausstattung anbelange, so sei diese auf der Höhe der Zeit. Mit einem ausgeklügelten Motivationssystem hätten Zusammenlegungen von Wehren im Stadtbereich vermieden werden können. Mit Geschick habe der Stratege nicht nur die Anliegen der Wehr in die Politik transportiert, sondern es auch verstanden, dass diese in der Stadt wahrgenommen werde. Während anderenorts kein Feuerwehrball mehr stattfinde, seien dies im Stadtbereich noch jährlich drei. So könne der Frontmann nicht nur eine hochmotivierte Truppe an seinen Nachfolger übergeben, sondern auch eine technisch hochmoderne Ausstattung. Kurz hielt sich Stadtverordnetenvorsteher Andreas Klar mit seinen Ausführungen. Er erinnerte an einen Übungsbesuch mit seinem Sohn, der von dem Geschehen so angetan gewesen sei, dass er spontan geäußert habe, auch „einmal Beller werden zu wollen“. Ganz offiziell wurde es, als Bürgermeister Kelbert und Stadtverordnetenvorsteher Klar Beller die Entlassungurkunde als Ehrenbeamter überreichten, ihn zum Ehrenbrandmeister und Ehrenwehrführer ernannten und ihn mit der städtischen Ehrenplakette auszeichneten. Kreisbrandinspektor Horst Friedrich konstatierte, dass mit Bellers Ausscheiden eine Ära zu Ende gehe. Er habe nicht nur in Michelstadt für die Weichenstellung gesorgt, sondern als Kreisfeuerwehrausschussmitglied das Feuerwehrwesen im Odenwald mitgestaltet. Im Namen des Hessischen Ministerpräsidenten steckte Friedrich dem Neuruheständler Beller das erstmals im Odenwald verliehene Goldene Brandschutzverdienstzeichen am Bande und das vom Deutschen Feuerwehrverband verliehene Deutsche Feuerwehrehrenkreuz in Gold ans Revers. Weitere Dankesworte und Geschenke gab es von Feuerwehrchef Bernard Gardet aus Rumilly, der Beller zwei Medaillen anheftete, dem stellvertretenden Stadtbrandinspektor Michel Bomanns und vielen Weggefährten. Besonders gefreut hat sich der vielfach Geehrte über einen gelungen Videostreifen, in dem sich neben dem Feuerwehrnachwuchs auch die Betreuer von einem Idol verabschiedeten. Das Deutschlandlied leitete über zum gemütlichen Teil mit Imbiss und vielfältigem Händeschütteln.Michelstadt. Es war eine würdevolle Verabschiedung von Gerd Beller aus der Feuerwehr-Verantwortung am Samstagabend im großen Saal der Odenwaldhalle. Auch wenn diese mit dreieinhalb Stunden länger dauerte als üblich. Viele Gäste waren gekommen, um dem Mann Respekt und Anerkennung zu zollen, der in 35 Dienstjahren zu einer wahren Brandschutz-Institution weit über den lokalen Rahmen hinaus geworden ist. Kein Wunder, dass neben den Kameraden aus den verschiedenen heimischen Hilfsorganisationen auch die Bundestagsabgeordnete Patricia Lips, Landtagsabgeordneter Rüdiger Holschuh und Vertreter aus den politischen Gremien von Kreis und Stadt den Weg gefunden hatten. Aus der französischen Partnerstadt Rumilly war eigens eine große Delegation angereist. Und weil zwischen den Darbietungen der Musikformationen Erbach-Michelstadt, Michelstadt-Steinbach und Michelstadt-Würzberg in verschiedenen Redebeiträgen die Verdienste von Gerd Beller gewürdigt wurden, blieben alle Gäste  gerne bis zum Schluss.

(Ernst Schmerker)

  • Andreas Klar und Stephan Kelbert verabschieden Gerd Beller

    Nach 35 Jahren Dienstzeit wurde Gerd Beller (rechts) am Samstag (14.04.2018) offiziell mit der Urkunde zum Ehrenbeamten durch Stephan Kelbert (mitte) und Stadtverordnetenvorsteher Andreas Klar (links) verabschiedet.

    (Foto: Ernst Schmerker)

  • KBI Horst Friedrich verabschiedet Gerd Beller

    Kreisbrandinspektor Horst Friedrich überreicht Gerd Beller im Namen des Hessischen Ministerpräsidenten das erstmals im Odenwaldkreis verliehene Goldene Brandschutzverdienstabzeichen am Bande, sowie das Feuerwehrehrenkreuz in Gold des Deutschen Feuerwehrverbandes.

    (Foto: Ernst Schmerker)   

Das Feuerwehrwesen bestimmte Gerd Bellers Lebensweg

Michelstadt. Wie sehr das Feuerwehrwesen den Lebensweg von Gerd Beller bestimmt hat, verriet der langjährige Frontmann bei seiner Verabschiedung. Im Alter von sechzehn Jahren sei er in die Wehr eingetreten, in der schon sein Urgroßvater gedient habe. Sein Vater sei als Zugführer tätig gewesen und er habe als Kind schon die schriftlichen Einladungen an die Kameraden des Löschzuges verteilen dürfen. Überrascht sei er gewesen, als er nach nur kurzer Dienstzeit den Auftrag erhalten habe, die Jugendfeuerwehr zu übernehmen. Das sei der Beginn einer wunderbaren Zeit gewesen. Obwohl es im Stadtbereich nur wenige Jugendfeuerwehren gegeben habe, sei er 1979 zum ersten Stadtjugendfeuerwehrwart gewählt worden. Im Jahre 1980 sei er Wehrführer und 1982 Erster Vorsitzender geworden. An die 35 Dienstjahre denke er gerne, wenn  in dieser Zeit auch viele Opfer und persönliche Einschränkungen hätten erbracht werden müssen. Er erinnerte an den Landesfeuerwehrtag in Michelstadt, den Kreis- und Kreisjugendfeuerwehrtag, die Landesdelegiertentagung. Vieles abverlangt habe der Brand in der Kellerei während des Weihnachtsmarktes, die Brandstiftung beim alten Amtsgericht, der Brand des China-Restaurants an der Neutorstraße mit der engen Altstadtbebauung, doch auch der Großbrand der Erwin-Hasenzahl-Halle. Bei insgesamt rund 5000 Einsätzen stark belastet hätten ihn besonders die beiden Brandstiftungserien, ebenso die unzähligen Hilfeleistungen und  Verkehrsunfälle mit etlichen Todesopfern. Beller freute sich, dass in seiner Amtszeit neben dem Feuerwehrstützpunkt in Michelstadt auch die Feuerwehrhäuser in Vielbrunn, Weiten-Gesäß, Rehbach, Würzberg, Stockheim und Steinbuch hätten neu erbaut oder erweitert werden können. Besondere Dankesworte fand er für seinen Kameraden Hans-Ludwig Knust, der ihn über all die Jahre als „technischer Berater“ begleitet habe. Er überlasse „ein geordnetes System des Brand- und Bevölkerungsschutzes nicht ohne Stolz auf das, was für die Bürger und deren Schutz und Sicherheit erreicht worden ist.“  Für ihn gelte es, jetzt erst einmal die „feuerwehrfreie Zeit“ zu genießen.

(Ernst Schmerker)

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